„Geflügel mit Worten“ ist kein politischer Blog. Auch verstehe ich mich in erster Linie als Schriftsteller und nur nebenbei als Zeichner. Dennoch ist es für mich unfassbar, wie eine so harmlose, ja geradezu unschuldige Beschäftigung wie das Zeichnen ein potentiell lebensbedrohlicher Akt sein kann. Und ich trauere unbekannter Weise um die Menschen in Paris, welche ihre Begabung und Berufung zum Zeichnen zum Beruf gemacht hatten — und das aufgrund des religiösen Wahns Einzelner mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Es gibt viele talentierte Künstler, aber kein Zeichner ist wirklich ersetzbar. Zeichnungen sind individuell wie Handschriften: Manche haben eine Sauklaue, manche sind geborene Kalligraphen. Aber alle haben etwas ganz Eigenes, das auch kein noch so talentierter Mensch reproduzieren kann. Und so ging mit den Menschen von Charlie Hebdo nicht nur wertvolles Menschenleben, sondern auch unersetzbare Kunst für immer verloren. Ich hoffe, Gott, Allah, Jahwe oder wer auch immer da oben sein mag, lacht sich jetzt in diesem Moment über deren Karrikaturen und Witze scheckig: Verdient wäre es.

Den Papageientaucher wählte ich für den Protestsatz „Ich bin Charlie“, weil die Vögel auch als „Charlie-Chaplin-Vögel“ bekannt sind; des clownesken Aussehens wegen. Was wiederum zu einer Satirezeitung passt. Aber natürlich gilt diese Zeichnung auch dem Gedenken an die ermordeten Menschen in dem jüdischen Geschäft und den ermordeten PolizistInnen.

R.I.P.

jesuis papageientaucher

Advertisements